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05/09/2015 / Clemens Rüttenauer

eBook – Abkehr vom harten DRM

eBook – Abkehr vom harten DRM

Die beiden größten Verlagshäuser Random House/Bertelsmann und der schwedische Bonnier-Konzern (Piper, Ullstein, Carlsen, …) mit einer Vielzahl von Verlagen habe sich offiziell vom harten DRM verabschiedet und verwenden künftig „Weiches DRM“. Für Sehbehinderte und Blinde bringt das eine entscheidende Verbesserung.

Im Glossar von http://papierlos-lesen.de sind die Begriffe so erklärt:

DRM

DRM (Digital Rights Management = digitale Rechteverwaltung) ist ein System mit dem die Nutzung und (Verbreitung) digitaler Inhalte (hier eBooks) kontrolliert werden sollen. Was für die Autoren und Verlage verlockend klingt, bedeutet für den Kunden in der Regel Ärger und Gängelung, sofern die Nutzung über das normale Maß hinaus geht. So lassen sich die eBooks nur auf einer festgelegten Anzahl an Geräten innerhalb eines Systems (Amazon, Adobe, Google oder Apple) lesen. Dies erschwert unter Umständen den späteren Wechsel auf ein anderes Lesegerät, weil die eBooks untereinander teilweise nicht kompatibel sind. So lassen sich Kindle-eBooks oder Apple-eBooks nicht auf EPUB-fähigen Geräten lesen und EPUBs nicht auf Kindles.

Weiches DRM

Bei weichem DRM (Digital Rights Management) wird eine Art unsichtbares Wasserzeichen (z.B. die Bestellnummer oder die E-Mailadresse des Käufers) in das eBook eingefügt. Das eBook kann auf unbegrenzt vielen Geräten gelesen werden.

Was für Normal-User nur eine lästige Einschränkung bedeutet, stellt für Sehbehinderte und Blinde eine kaum zu überwindende Barriere dar:  eBooks mit hartem DRM kann man sich mit den üblichen Programmen und mobilen Geräten nicht vorlesen lassen. Anders ist das nur bei den eBooks von Amazon und Apple. Hier klappt das Vorlesen mit den zugehörigen Apps und Screenreadern. Damit fehlte aber diesem Personenkreis bisher der Zugang zum Gesamtmarkt.

Gründe für die Trendwende

Die Verlage mussten mit ihren DRM-eBooks dieselbe Erfahrung machen wie vor Jahren die Musikindustrie mit kopiergeschützten Musik-CDs. Der Verbraucher fühlt sich geknebelt im Umgang mit einem rechtmäßig erworbenen Produkt – und wendet sich anderen, einfacheren Möglichkeiten zu. Da hat vor allem der mächtige Konkurrent Amazon die Nase vorn. Der Umgang mit Kindle eBooks auf Kindle Geräten und mit der entsprechenden Kindle App auch auf anderen mobilen Geräten ist einfacher. Dazu kommt, für lesende Computerfreaks (ja, solche soll es geben) war die Entfernung des Kopierschutzes nie ein Problem – und für Kriminelle schon gar nicht.

Woran erkenne ich weiches DRM – wie kann ich damit umgehen?

Jeder Anbieter sollte bei jedem Titel deutlich sagen, ob und wie das eBook geschützt ist. Verbraucherschützer kritisieren, dass diese Informationen bei manchen Anbietern schwer zu finden sind. Um ein sicheres Beispiel zu haben, habe ich bei Hugendubel nachgefragt, woran ich weiches DRM erkenne. Hier ist die Antwort:

Wenn Sie einen eBook Titel aufrufen, finden Sie in jeder Beschreibung den Reiter „Technik“, zum Beispiel hier bei dem Beispiel „Vergebung“ von Stieg Larsson:

Da sehen Sie dann in der Beschreibung, dass das eBook auf allen Geräten lesbar ist, die ePub und Adobe DRM unterstützen. So kennzeichnen wir alle eBooks, die mit dem „harten“ Adobe DRM geschützt sind.

Wenn das eBook ohne Kopierschutz oder mit dem „weichen“ Watermarking geschützt ist, fehlt in der Technikübersicht der Hinweis auf Adobe DRM, wie zum Beispiel hier.

Dieses eBook ist dann komplett ohne Kopierschutz bzw. mit dem weichen Kopierschutz hinterlegt, dies ist aber für die Vorlesefunktion der mobilen Geräte unerheblich. Alles ohne hartes DRM ist dafür nutzbar.

Die letzten beiden Sätze sind für unsere Fragestellung das Entscheidende: eBokks mit weichem DRM kann man sich vorlesen lassen – sowohl am PC, als auch an mobilen Geräten.

  • Am PC geht das mit dem bekannten Vorleseprogramm Balabolka.
  • Am iPhone/iPad kann es die universelle Vorlese-App Voice Dream Reader.
  • Bei Android Geräten geht es zum Beispiel mit der App Moon+ Reader Pro.

Kann ein eBook, das mit hartem DRM erworben wurde,  jetzt aber mit weichem angeboten wird, nachträglich „enthärtet“ werden? Im Prinzip ja, aber nur, wenn der Shop mitspielt und beispielsweise ein neuerliches Herunterladen zulässt.

Zur Rechtslage

Wer ein Buch besitzen will, muss es als Druckexemplar erwerben. Mit dem eBook erwirbt man nur ein Nutzungsrecht. Entscheidend für die rechtliche Beurteilung sind immer die Lizenzbestimmungen. Manches liegt nach wie vor im rechtlichen Graubereich. Nach meiner laienhaften Einschätzung sieht es so aus:

  • Die eigene Nutzung (eischl. Kopieren und Vorlesen lassen) rechtmäßig erworbener eBooks auf unterschiedlichen Geräten war und ist unkritisch.
  • Die Weitergabe einer Kopie ist verboten
  • Das Verleihen eines mit eBooks vollgepackten Geräts an einen Freund ist erlaubt, wenn der Freund versichert, keine Kopien anzufertigen.
  • Verboten (und gefährlich!) ist es, solche eBooks in Tauschbörsen oder sonst wie zum Download zur Verfügung zu stellen.

Den letzten Punkt muss man unbedingt beachten. Mit der Abkehr vom harten DRM verzichten die Verlage keineswegs darauf, Missbrauch zu verfolgen. Im Gegenteil, die Verfolgung wird mit dem Wasserzeichen sogar einfacher. Vielleicht ist das ja mit ein Grund dafür, warum die Trendwende im Netz keineswegs nur ein positives Echo findet.

Weiterführende Links

In diesem Blog:

Im Web:

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