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07/11/2017 / Clemens Rüttenauer

Ist LED-Licht gefährlich?

Mit dem sukzessiven Verbot der guten, alten Glühlampen hat die Politik die Verbraucher dazu gebracht, auf Energiesparlampen und LED-Lampen umzusteigen. Die quecksilberhaltigen Energiesparlampen sind inzwischen ins Gerede gekommen und sind schon wieder out. Die LED-Lampen setzen sich immer mehr durch. Dass sie den geringsten Stromverbrauch haben, ist unstrittig. Könnte es jedoch sein, dass wir uns damit neue Risiken einhandeln? Es gibt jedenfalls Anlass zur Besorgnis.

Gibt man in einer weit verbreiteten Suchmaschine die beiden Begriffe „LED“ und „gefährlich“ (ohne Anführungsstriche) ein, erhält man über 400.000 Ergebnisse. Welche sind fundiert, seriös und vertrauenswürdig? Welche interessengeleitet? Welche reine Panikmache?


NZZ – Licht und Schatten von LED-Lampen

Sehr sachlich und informativ wirkt der Artikel der Neuen Züricher Zeitung unter der Überschrift „Licht und Schatten von LED-Lampen“.
Erläutert wird, dass die LEDs primär blaues Licht erzeugen, während Glühlampen das gesamte Farbspektrum wiedergeben. Zitat:

Der Halbleiterchip einer LED erzeugt zunächst blaues Licht, das von einer dünnen Phosphorschicht zum Teil in gelbes Licht umgewandelt wird. In der Summe ergibt sich so ebenfalls weisses Licht, das systembedingt einen relativ hohen Blauanteil enthalten kann.

Dieser Umstand wird in der weiteren Untersuchung eine entscheidende Rolle spielen.

Erklärt wird, dass blaues Licht energiereich ist, dass eine direkte Einstrahlung ins Auge chemische Reaktionen und irreparable Schäden verursachen kann. Keine Gefahr sieht die NZZ bei Lampen der Risikogruppe „freie Gruppe“. Zur Risikogruppe 3 heißt es:

Bei Lampen der Risikogruppe 3 dagegen kann schon eine sehr kurze Bestrahlung – unterhalb des Reaktionsvermögens eines Menschen – zu Augenschäden führen.

Die NZZ kommt zu folgendem Fazit:

Die Gefahr durch heutige LED-Lampen ist demnach äusserst gering und deutlich kleiner als das Risiko, das von Laserpointern ausgeht. Die Messungen von Metas zeigen aber auch, dass die Wattzahl einer LED für ihre Sicherheit weniger bedeutend ist als die Abstrahl­charakteristik: Ein kleiner engstrahlender LED-Spot führt auf der Netzhaut zu einer höheren Belastung als ein leistungsstarker Flächenstrahler, effizientere und hellere LED-Lampen müssen also auch in Zukunft kein Problem sein, solange die Lichtstrahlen nicht gebündelt ins Auge treffen.

Welche Beleuchtung ist geeignet für Sehbehinderte – Sight City 2017

Die Frage, ob LED-Licht gefährlich ist, bewegt vor allem Menschen, die ohnehin schon von einer Augenerkrankung betroffen sind.

Klarstellung: Dieser „Vorspann“ könnte nahelegen, es ginge im Weiteren nur noch um Menschen mit Netzhauterkrankungen. Das ist falsch. Die Lichtwirkungen betreffen alle Augen, gesunde und kranke.

Auf der Sight City 2017 – der führenden Hilfsmittel-Fachmesse für Sehbehinderte und Blinde – hielt Frank Kießling einen Fachvortrag mit dem Titel: „Welche Beleuchtung ist geeignet für Sehbehinderte?“ Anhören kann man den Vortrag mit anschließender Diskussion hier:
Es geht dabei hauptsächlich um LEDs. Für Sehbehinderte möchte ich das Anhören diese Vortrags zur Pflicht erklären.

PRO RETINA Deutschland e.V. veröffentlicht im Newsletter von Juni 2017 eine schriftliche Zusammenfassung. Nachzulesen im PRO RETINA Newsletter Archiv:

Hier werden die vier Risikoklassen näher beschrieben. Vor Lampen mit der Risikoklasse 2 und 3 wird gewarnt. Sehr interessant ist der Hinweis, dass blaues Licht sozusagen als „Muntermacher“ wirkt und somit den Nachtschlaf stören kann.
Frank Kießling liefert praktische Tipps im Umgang mit LED Lampen. Er erwähnt auch eine französische Studie, nach der LEDs an Kaninchenaugen Schäden verursachten. Er weist darauf hin, dass es noch keine Erfahrungen und Studien zur Langzeitwirkung von überwiegend blauhaltigem Licht gibt. Auch Flachbildschirme mit LED Hintergrundbeleuchtung werden angeschnitten. Gegen zu viel Blaulicht empfiehlt Kießling Kantenfilterbrillen – vor allem den Menschen, die wegen einer Netzhauterkrankung ohnehin schon solche Gläser im Freien verwenden.

Das Fazit fällt ähnlich aus wie bei der NZZ:

Bei Beachtung obiger Tipps können akute Schäden an der Netzhaut verhindert werden. Eine mögliche Langzeitwirkung von LED-Beleuchtung (also über Jahre und Jahrzehnte hinweg) kann derzeit allerdings noch nicht abschließend beurteilt werden. Zu beachten ist aber, dass selbstverständlich auch das Sonnen- und Tageslicht energiereiche Blauanteile besitzt, wobei Tageslicht die Leuchtstärke einer haushaltsüblichen LED-Beleuchtung in der Regel um ein vielfaches übersteigt.

Hundertprozentig zufriedenstellend ist diese Schlussfolgerung nicht. Der Umkehrschluss, dass LEDs gefährlich sind, wenn man unvorsichtig ist, ist ja genauso richtig. Ganz entscheidend ist aber der Hinweis auf mögliche Schlafstörungen und fehlende Langzeiterfahrung. Es geht keineswegs nur um eine direkte Netzhautschädigung bei einer „Überdosis“, sondern um alle Auswirkungen dieses Lichts – und zwar bei ganz normalem Gebrauch..

Die ANSES Studie und mehr

Die französische Studie, die Frank Kießling erwähnt und die von vielen Autoren zitiert wird, stammt von Frankreichs Umweltbehörde ANSES. Sie untersucht:  “Health effects of lighting systems using light-emitting diodes (LEDs)“. Die Studie ist im Netz zugänglich, allerdings nur in Englisch.
Die Ankündigung der Veröffentlichung mit einer kurzen Inhaltsangabe kann man bei Lichtgesundheit.de nachlesen – nicht nur in Englisch, sondern auch in einer deutschen Übersetzung.


Zu AMD sagt ANSES: „There is a strong suspicion that blue light aggravates age-related macular degeneration…“ Auf deutsch: „Es besteht der starke Verdacht, dass blaues Licht die altersbedingte Makuladegeneration verschlimmert …“.

Eine weitere Studie veröffentlichten Algvere P. V., Marshall J., und Seregard S. mit dem Titel „Age-related maculopathy and the impact of blue light hazard“ (Altersbedingte Makulopathie und die Auswirkung der Blaulichtgefährdung). Auch diese Studie steht im Netz, allerdings wiederum nur in Englisch. Hier als Webseite, und hier als PDF.

Zur Abwechslung mal etwas in Deutsch: drei Zitate aus dem Artikel „Gesundheitsgefahr im Kunstlicht?“ von Karl Albert Fischer, ehem. Univ. Lekt. Prof. Mag. art., Member of AHC, Leiter des Österreichischen Instituts für Licht und Farbe.

Zitat 1
„Während die mittlerweile leider verbannte Glühlampe ein nahezu sonnenidentes Spektrum aufweist, unterscheiden sich modernere Lichtquellen oft gravierend vom Naturlicht. Immer mehr entdeckt man ihre gesundheits- und umweltschädlichen Seiten: Vor allem hohe, unnatürliche Zacken im Blaubereich können unsere Gesundheit stark belasten. Wissenschaftler heben hervor, dass ein erhöhter Blauanteil viele Krankheiten wie altersbedingten Makuladegeneration, Krebs und diverse andere Krankheiten begünstigen könne.“

Zitat 2
„Und schon 2009 liest man bei Dan Roberts (Licht und Gesundheit): „ … Forschungsergebnisse zeigen, dass hohe Niveaus an blauem Licht auf die Retina des Menschen toxisch wirken können. Die von der Industrie aufgestellten Normen schützen vor übermäßig heller Beleuchtung (Blendung) und UV-Einstrahlung, aber keine Norm geht auf die Gefahren des blauen Lichts ein für Leute, die Probleme mit der Retina haben“.

Zitat 3
„Nur etwa 25 Prozent des Lichtes, das wir aufnehmen, dient zum Sehen. Die restlichen 75 Prozent wirken über das vegetative Nervensystem, den energetischen Anteil der Sehbahn, auf den gesamten Organismus. Licht unterstützt so die biologischen Prozesse und synchronisiert unseren Körper mit unserer Umwelt.

Trotz moderner Beleuchtungstechniken wird unser Alltagsleben auch heute noch durch den zeitlichen Rhythmus des natürlichen Sonnenlichtes bestimmt. Die Steuerung der Hormone, insbesondere die Produktion von Serotonin, Cortisol und Melatonin, hängt vom täglichen Lichteinfluss ab. Da oft ausreichendes Sonnenlicht fehlt, kommt es zu einem Mangel an Tageslicht. Die biologische Uhr des Körpers wird desynchronisiert und unser Körper aktiviert oder deaktiviert zum falschen Augenblick bestimmte Körperstoffe und Hormone, wie beispielsweise Melatonin, das Schlafhormon.“
Zitat Ende

Dr. AlexanderWunsch – Lichtbiologie

Alexander Wunsch ist niedergelassener Arzt in Heidelberg. Nach dem Studium der Humanmedizin an den Universitäten Kiel, Gießen und Heidelberg entwickelte er Geräte für die Elektromedizin und Lichttherapie. Seit seinem Studium liegt der Interessenschwerpunkt auf dem Gebiet biophysikalischer Therapiemethoden. Seine Tätigkeitsfelder und Forschungsinteressen sind die Geschichte der Lichtbiologie, Lichtwirkung auf Zellebene sowie die Photoendokrinologie und Anwendung der Photomedizin beim Menschen… (Quelle: Professional Lighting-Design – PLD)

Alexamnder Wunsch betreibt eine eigene Webseite Lichtbiologie.de. Im Intro heißt es:

„Lichtbiologie beschreibt die Zusammenhänge zwischen Licht und belebter Natur. Darunter fallen natürlich grundlegend lebenserhaltende Mechanismen wie die Photosynthese, die die gesamte Biomasse bildet und deren Metabolismus aufrecht erhält, aber auch die Lichtreaktionen von Tieren und Menschen…“

Also hier geht es nicht darum, was passiert, wenn man zu lange direkt in eine überdimensionierte Taschenlampe mit stark gebündeltem Lichtstrahl blickt. Vielmehr geht es um die Frage, welche Rolle Licht bei der Steuerung gewisser biologischer Prozesse im Lebenszyklus des Menschen spielt und wie sich dabei Kunstlicht auswirkt.

Die innere Uhr aller Lebewesen, auch des Menschen, wird durch Licht gesteuert. Blauhaltiges Kunstlicht signalisiert Tagaktivität und verhindert am Abend die Bildung des Hormons Melatonin. Fehlendes Melatonin führt zu Schlafstörungen. Zur Problematik des Blaulichts und zur Rolle des Melatonins erklärt Alexander Wunsch in einem Interview mit dem Magazin ZeitenSchrift:

„Beim modernen hormonaktiven Kunstlicht spielen jedoch zwei verschiedene Faktoren eine Rolle. Es geht nicht nur um die Helligkeit, sondern auch um den Blaulichtgehalt. Sämtliche glühenden oder brennenden Lichtquellen – also auch die Glühlampe – haben einen vergleichsweise niedrigen bis sehr niedrigen Blaulichtanteil“
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„Für die Netzhaut ist blaues Licht gefährlicher als UV-Strahlung, da die ultravioletten Anteile bereits in den vorderen Augenabschnitten wie Hornhaut und Linse herausgefiltert werden“, führt Alexander Wunsch aus. „Sichtbares kurzwelliges Licht hingegen dringt ungehindert bis zur Netzhaut vor und erzeugt dort oxidativen Streß.“ Weil die Makula lutea als Stelle des schärfsten Sehens vorwiegend Rezeptoren für grünes und vor allem rotes Licht enthält, erschwert das kurzwellige Blau scharfes Sehen. Intensives Blau kommt in der Natur als Farbe entsprechend selten vor. Himmel und Wasser weisen denn auch fast immer eine stark abgemilderte Farbintensität auf. Zudem muß das Auge nicht fokussieren, wenn wir diese beiden weiten Flächen anschauen. Aus diesem Grund erleichtert das traditionelle Glühlicht scharfes, kontrastreiches Sehen und schont durch den niedrigen Anteil an kurzwelliger Strahlung das Auge. Professor Karl Albert Fischer, Leiter des österreichischen Instituts für Licht und Farbe, meint sogar: „Das warme Licht der Glühlampe, das dem Sonnenlicht in vielen Punkten ähnlich ist, kann neuesten Forschungen zufolge die Netzhaut pflegen.“
Hunderte wissenschaftlicher Studien belegen nämlich, daß langwelliges Nahinfrarotlicht, welches die Glühlampe in hohem Maß abstrahlt, ganz eindeutig die Widerstandskraft und Selbstheilung in den Sinneszellen stärkt.“
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„DasMelatonin hat verschiedene Aufgaben. Beim Fötus, der im Mutterleib ja kein Licht über das Auge empfängt, synchronisiert das mütterliche Melatonin dessen Organuhren. Der Mensch besitzt eine zentrale Uhr im Zwischenhirn, welche den circadianen Rhythmus von ungefähr 24 Stunden erzeugt und über das Nervensystem an den Körper weiterleitet. Diese Hauptuhr ist über den sogenannten retinohypothalamischen Trakt mit der Netzhaut des Auges verbunden, erhält also ihre Synchronisationssignale über das Licht, welches ins Auge fällt.

Das Melatonin wiederum koordiniert die Uhren der verschiedenen Organe. Jedes Organ hat nämlich auch seinen Takt, und idealerweise laufen alle Organuhren wie Bahnhofs-Uhren mit der Zentraluhr im Zwischenhirn synchron. Das ist eine der Aufgaben von Melatonin.

Tagsüber sind wir motorisch aktiv und verbrauchen mehr Energie, nachts spielt die Erholung eine wichtige Rolle. Das Melatonin ermöglicht Regeneration auf verschiedensten Ebenen, bis hinein in die Mitochondrien der Zellen.“

Die Frage „Welches Licht ist das beste“ beantwortet Alexander Wunsch so:

„Natürlich das Sonnenlicht!
Als nächstes kommt Kunstlicht mit natürlicher Spektralverteilung: Licht aus Halogenlampen und Allgebrauchsglühlampen
Kerzenlicht (Vorsicht Luftschadstoffe, für Asthmatiker und Menschen mit Chemieunverträglichkeiten nur bedingt geeignet).
Tja, das war´s…“

Die Allgebrauchsglühlampen sind inzwischen Geschichte. Allerdings liest sich die Geschichte des Glühlampenverbots bei Alexander Wunsch wie ein Krimi – wie einer mit schlechtem Ausgang.
Auf Halogenlampen gehe ich weiter unten ein.


Sehr informativ und lehrreich sind die Fachvorträge, die auf der Webseite als Videos zugänglich sind. Empfehlen möchte ich vor allem „Das richtige Licht zur richtigen Zeit“ Teil 1 und 2 sowie „Biologische Lichtwirkungen“.

Die negative Wirkung von überwiegend blauhaltigem Licht wird von vielen Autoren thematisiert. Alexander Wunsch hebt hervor, dass auch dem anderen Ende des Farbspektrums, dem Rot und dem Infrarot eine besondere Bedeutung zukommt. Das Nahinfrarot – der langwellige, unsichtbare Lichtanteil, der sich direkt an das sichtbare Rot anschließt  – fördert die Transportwege innerhalb des Auges und hat eine heilende Wirkung. Sonnenlicht, Glühlampen und Halogenlampen enthalten solches Nahinfrarot, LED-Lampen nicht. (vergl. Teil 1)

Die ANSES Studie wird in den Vorträgen ebenfalls erwähnt. Alexander Wunsch nimmt die Studie sehr ernst. Er betont, dass ANSES generell davor warnt, LEDs in privaten Räumen zu verwenden. Besonders gefährdet seien Kinder und Menschen mit Augenerkrankungen wie z. B. AMD oder Grauer Star. (vergl. Teil 2)

Im Vortrag „Biologische Lichtwirkungen“ erklärt Alexander Wunsch, welche Forderungen gesundes Licht erfüllen muss:

Schwarzkörperstrahlung, nicht CIE 1931
Farbtemperatur niedriger als 3000 K
Kontinuierliches Spektrum
Kein Quecksilber
Keine Modulationsfrequenzen
Keine elektromagnetischen Störungen

(wörtliche Wiedergabe aus dem Vortrag)

Auf den ersten Punkt möchte ich näher eingehen. Dieser Punkt bezieht sich auf die Methode zur Messung der Farbtemperatur. Mit „Schwarzkörperstrahlung“ ist eine anerkannte, exakte, physikalische Methode gemeint. CIE 1931 beschreibt dagegen ein Messverfahren, auf das sich die Internationale Beleuchtungskommission geeinigt hat. Es beschränkt sich auf drei festgelegte Messpunkte. Nach dieser Methode kann eine normale Weißlicht-LED-Lampe den Wert 2700 Kelvin erhalten. Denselben Wert haben ganz normale Glühlampen und Halogenlampen. Damit wird der Eindruck erweckt, die LED-Lampe hätte dieselbe Farbtemperatur wie die gute alte Glühlampe. Ein Irrtum, denn die beiden Werte basieren auf unterschiedlichen Messmethoden. Ein Schelm, wer da an Böses denkt. Man fühlt sich an die Schadstofftests bei Autos erinnert. Doch dieses hier ist absolut legal – und gleichzeitig absolut irreführend.

Hinters Licht geführt

Der Siegeszug der LED Lampen begann, als die Lichtindustrie verkündete, LEDs seien jetzt nicht mehr blaustichig, sie würden jetzt weißes Licht liefern. Wie das erreicht wird, erläuterte der eingangs erwähnte Artikel der NZZ: mit einer dünnen Phosphorschicht über der Blaulicht LED. Wie gut funktioniert das? Was bedeutet das für unsere Augen?

Die Volkshochschule Weilheim (Oberbayern) lud am 20. Oktober 2017 zu einem Vortrag ein mit dem Titel „Hinters Licht geführt – Gefahr durch LED-Licht“.
Referent war Reinhard Gerl, Vorstand des Vereins Zukunftsehen e.V.

Reinhard Gerl arbeitet seit mehr als 10 Jahren mit Alexander Wunsch zusammen in Fragen der Entwicklung von speziellen Schutzbrillen.

Für mich bestand der zentrale Punkt dieses Vortrags in einem Versuchsaufbau mit drei Lampen und der Messung mit einem Spektroskop. Weitere Messobjekte waren ein Laptopmonitor und ein Smartphone Display.

Es handelte sich um eine Energiesparlampe 2700 K, um eine LED-Lampe 2700 K und um eine Glühlampe mit 2700K.​ Alle drei Lampen hatten eine ähnlich warme Lichtfarbe. Der optische Unterschied war nicht besonders groß. Das Spektrometer zeigte dagegen ein ganz anderes Bild: die spektrale Zusammensetzung der drei Lichter unterschied sich deutlich. Die Glühlampe bot das gesamte Farbspektrum. Die Energiesparlampe zeigte die typische, zerklüftete Struktur der Quecksilberlampen, wobei eine der Spitzen im Blaubereich lag. Am meisten gespannt war ich auf das Spektrum der sogenannten Weißlicht-LED: Ein riesiger Peak im Blaubereich, die anderen Farben sehr niedrig, Rot so gut wie gar nicht.

Eine Nachfrage ergab, dass das Spektrum von sogenannten True-Light-LEDs nur geringfügig anders aussieht. Sie enthalten einen gewissen Anteil Rot, aber der Peak im Blaubereich bleibt.

Laptop und Smartphone hatten ebenfalls diesen Peak im Blaubereich.

Die Augen lassen sich täuschen, das Spektroskop nicht. Für die Wirkung des Lichts ist aber nicht die optische Täuschung sondern seine tatsächliche, physikalische Zusammensetzung verantwortlich.

Zu Beginn meiner Recherchen wusste ich nicht, wohin sie mich führen würden. Ich hatte keine vorgefasste Meinung. Umso überraschter bin ich jetzt, wie eindeutig das Ergebnis ausfällt:

  • Unabhängig von der Bezeichnung haben die gebräuchlichen LED-Lampen alle einen Peak im Bereich des blauen Lichts. Sie sind überwiegend blauhaltig. Das Nahinfrarot fehlt ganz.
  • Blauhaltiges Licht beeinträchtigt die natürliche Lichtsteuerung wichtiger biologischer Prozesse im Körper des Menschen.
  • Verbraucher, die keine eigenen Recherchen anstellen, haben praktisch keine Chance, die Gefahren zu erkennen. Weißlicht-LEDs und True-Light-LEDs wirken „normal“; das Auge lässt sich täuschen. Der gezielt gesetzte K-Wert für die Farbtemperatur (CIE 1931) tut ein Übriges. Ein Presseartikel wie der von der NZZ, der ja durchaus objektiv wirkt, ist nicht falsch, geht aber am Kern der Sache vorbei.

 

Die Strafe der Götter

Nach den Sagen des griechischen Altertums war es Prometheus, der den Menschen das Feuer brachte. Die Götter haben ihn dafür bestraft.

Vom ersten Prometheus-schen Feuer bis hin zur Edinson-schen Glühlampe war von Menschen gemachtes Licht immer verbunden mit Wärme, mit spürbarer Wärme. Genauso wie das Sonnenlicht! Licht und Wärme bildeten eine Einheit.

Und jetzt, ungefähr 800000 Jahre nach Prometheus, kommt die EU daher und sagt: Euer Licht muss kalt werden, Wärme verbraucht zu viel Energie. Statt warmem Licht holen wir uns jetzt gesundheitsgefährdenden Sondermüll in die Wohnung.

Um die griechischen Götter ist es still geworden, doch die Strafe für diesen neuerlichen Lichtfrevel wird nicht ausbleiben. Sie wird diesmal vom Volk ausgehen. Sie wird bestehen in einem Vertrauensverlust gegenüber der EU. Ein Vertrauensverlust, der wirken wird wie schleichendes Gift.

Energiesparen ist gut. Aber doch nicht auf Kosten des Wohlbefindens und der Gesundheit! Richtig wäre, die gesamte Energieerzeugung auf saubere Energien umzustellen. Dann könnte man es getrost jedem Einzelnen selbst überlassen, sich zu Hause ins rechte Licht zu setzen.

Ausweichmöglichkeit Halogenlampen

Glühlampen gibt es nur noch in Spezialausführungen, doch noch (Stand November 2017) gibt es eine Ausweichmöglichkeit. Halogen Hochvoltlampen haben hinsichtlich des Farbspektrums dieselben guten Eigenschaften wie die Glühlampe. Darüber hinaus brauchen Sie etwas weniger Strom und halten länger
Wohlgemerkt, die Halogenlampen, die ich meine, sind nichts Exotisches. Es gibt sie in jedem Elektro- bzw. Leuchtenladen. Sie gehören wie die Glühlampen zur Familie der Temperaturstrahler, deren Licht durch die Erhitzung eines Wolfram-Glühfadens entsteht. Das Halogengas im Kolben verringert den Verschleiß der weiß glühenden Wolframwendel. Diese Lampen benötigen keinerlei Elektronik, sondern arbeiten direkt mit 230 Volt. 

Beim Lampen- und Leuchtenvertrieb Paulmann heißt es dazu:

Als Weiterentwicklung der herkömmlichen Glühlampe ähnelt die Halogenlampe dieser am meisten. Mit einer Lebensdauer von bis zu 3000 Stunden übertrifft die Halogenlampe die Allgebrauchsglühlampe jedoch deutlich und das bei einer ähnlich guten Farbwiedergabe von fast 100 Ra. Der Farbwiedergabeindex (Ra) gibt an, wie natürlich die Farben unter Beleuchtung wiedergegeben werden. Als bester Wert kann 100 erreicht werden.

Anmerkung: eine aktuelle Halogenlampe „Osram Classic“ 46 Watt wird mit Ra = 100 ausgewiesen – also volle Farbwiedergabe.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Mit „Hochvolt-Halogenlampen“ sind Lampen gemeint, die direkt an das normale Stromnetz mit 230 Volt angeschlossen werden. „Hochvolt“ steht für die Abgrenzung zu Niedervolt-Halogenlampen, die zum Anschluss an das normale Netz einen Transformator brauchen. Im Weiteren meine ich mit Halogenlampen immer nur Hochvolt-Halogenlampen.

Halogenlampen gibt es in den unterschiedlichsten Formen und Fassungen. Hier sind drei Beispiele mit dem traditionellen Schraubgewinde, E27 (normal), E14 (klein):

Halogen mit Schraubgewinde

Sehr verbreitet sind kleine Halogenlampen mit Stiftsockel. Die passen nur in entsprechende Leuchten. Doch auch mit einer G9 Stiftsockellampe lässt sich zusammen mit einem E27-G9-Adapter

Lampenkombination mit Halogen G9

und einer passenden, kugelförmigen Abdeckung eine attraktive Lampe zusammenstellen. Die Abdeckungen gibt es in unterschiedlichen Ausführungen

Bei einem Probelauf in einem Münchener Baumarkt war ich überrascht über die Vielfalt an Halogenlampen. In einem kleinen Geschäft im Stadtteil Neuhausen greift die Hälfte der Kunden zu Halogenlampen. Häufig gestellte Fragen beantwortet Osram.
Halogenlampenverbot:
Die EU hat vor, das Glühlampenverbot auf Halogenlampen auszudehnen. Ein erster Termin 2016 wurde verschoben auf September 2018. Im Internet geistern viele falsche, nicht-aktuelle Aussagen herum. Ich verlasse mich auf diese Information von baubiologie-regional.de.

Blaulichtschutz für Monitore und Displays

Ist das Licht in den eigenen vier Wänden erst mal auf das freundliche Halogenlicht umgestellt, sind es hauptsächlich die Flachbildmonitore und Displays mit ihrer LED-Hintergrundbeleuchtung, von denen eine Gefahr ausgeht. Sitzt man abends zu lange und womöglich auch noch zu nah davor, kann das – wie wir wissen – den Schlaf stören. Befragt man seine bevorzugte Suchmaschine, kommt man auf vier Möglichkeiten, sich vor Blaulicht an Monitoren zu schützen:

  • Eine Software Lösung – Beispiel: In einem Erlebnisbericht bei Heise findet der Protagonist zu guter Letzt in der Software f.lux seine Lösung für bessern Schlaf.
    Bei Chip.de wird auf die Einstellmöglichkeiten bei Windows 10 verwiesen; f.lux wird ebenfalls erwähnt.
  • Folien mit Blaulichtfilter – Beispiel: Folien in allen Größen (auch für Smartphones und Tablets) von PrivacyFilters.de
  • Brillen mit Blaulichtschutz

Eigene Erfahrungen habe ich nur mit den zuletzt genannten Brillen. Wegen meiner Netzhauterkrankung trage ich immer und überall solche sogenannten Blaublocker Kantenfiltergläser – auch vor dem Monitor. Nachteil: Verfälschung der Farben, nicht zugelassen im Straßenverkehr. Vorteil: hohe Wirksamkeit, überall einsetzbar – auch in Räumen mit zu viel LED-Licht. Beispiele: Optik-Fassl , Innovative Eyewear

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Die Finsternis sei noch so dicht
Dem Lichte widersteht sie nicht

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