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02/05/2014 / Clemens Rüttenauer

Wo man nichts sieht …

„Draht in eine dunkle Welt – Digitale Technik für Blinde“
So kündigte der Deutschlandfunk die Sendung vom 01.05.2014 aus der Reihe „Forschung Aktuell“ an.


Als Erstes wird – scheinbar am Thema vorbei – ein Loblied auf den Langstock gesungen. Er wird als „analoges“ Gerät bezeichnet – man könnte auch sagen „nicht-digital“. Hoppla, da macht es Klack in meinen grauen Gehirnzellen. Digital – digitus – da war doch was! Bin ich vielleicht doch nicht ganz umsonst auf die Latein-Schule gegangen? Digitus ist lateinisch und heißt nichts Anderes als „der Finger“. Der Langstock wiederum ist nichts Anderes als eine Verlängerung der Finger. Welche Bedeutung die Finger für den Blinden haben, muss ich nicht erläutern. Jedenfalls steht fest:

Der Langstock – als Verlängerung der Finger –  ist das digitale Hilfsmittel schlechthin – im wahrsten Sinne des Wortes.

Dann geht es um das Smartphone – respektive iPhone. In der Kurzbeschreibung zur Sendung heißt es u.a. „Ausgerechnet das Smartphone gehört dabei zur treibenden Kraft. Heute schon bietet es mit simplen Apps praktische Hilfe, mit einer visuellen Schnittstelle entstehen weitere Spielräume.“ Es fließt jedoch auch eine – leider berechtigte- Kritik ein: „Allerdings erzählt Informatiker und Blindenvertreter Thomas Kahlisch auch, dass Apple in letzter Zeit manches verschlechtert habe und auf Kritik nicht reagiere.“ Da wäre ich wieder bei meinem Lieblings- bzw. Leidensthema Flat Design“. Dazu muss ich die mir ansonsten angeborene Zurückhaltung gänzlich vergessen und klare Worte sagen: Die Lesbarkeit hat sich seit IOS7 mit der Einführung des minimalistischen, flachen Designs verschlechtert. Apple nimmt neue Apps nur noch an, wenn sie diesen Design-Vorgaben folgen. Ich empfinde das als Design-Terror, als menschenverachtend.

Design sollte dem Menschen dienen, nicht einer Design-Ideologie!

Ich leide an diesem Thema, weil ich andererseits weiß, wie gut das iPhone an sich ist. Es ist das beste Stück Technik, das ich jemals in der Hand hatte. Das Bedienkonzept VoiceOver ist genial. Es ist von unschätzbar großem Vorteil, dass hier ein aktuelles High-Tech-Gerät entstanden ist, das auch von Blinden bedient werden kann. Ein aktuelles, modisches, stylisches Teil – kein Spezialgerät aus dem Hilfsmittel-Laden! Das sollte Schule machen!

Beim Thema Navigation fehlt mir ein Hinweis auf das Soester Projekt, bei dem mittels Hard- und SoftwareAufrüstung eine Peilgenauigkeit von einem halben Meter erreicht wird.

Trotz der großartigen Möglichkeiten mit dem Smartphone lässt der Autor, Thomas Reintjes, keine Zweifel aufkommen: Die glatte Oberfläche eines Touchscreens ist für Blinde keineswegs ideal, tastbar erfahrbare Oberflächen wären unbestreitbar besser. Die Wissenschaft arbeitet bereits an solchen Oberflächen. Die bisherigen Experimente sind vielversprechend. Nur, wo wird diese Technik Eingang finden? Etwa beim iPhone? Wohl kaum. Ich fürchte, die gibt es dann nur wieder in Spezialgeräten – in kleiner Stückzahl – uncool – unbezahlbar.

 

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Links:
Audiodatei der Sendung
Mit Links-Klick startet die Sendung, mit Rechts-Klick öffnet sich das Kontext-Menü. Wähle „Ziel speichern unter“, um die MP3-Datei herunterzuladen.
Manuskript der Sendung

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  1. Diva / Mai 3 2014 5:14 am

    Ich bin kein Apple FAn , obwohl auch ich Sehbehindert bin , ich kann mich mit dem I Phone einfach nicht anfreunden, ich komme mit meinem Samsung Gerät wesentlich besser zurecht .Voice over ist zwar genial , aber die Schrift beim I Phone ist eine Zumutung , wenn man noch seinen kleinen Sehrest benutzen möchte.
    Mein Mann aber , der schwört auf sein I Phone , er hat mal für eine kurze Zeit auch das Samsung ausprobiert , ist aber schnell wieder zu seinem Apple zurück gekehrt .
    Die Sprachsteuerung des Samsungs ist aber auch nicht schlecht .:)
    Liebe Grüsse Anja

    • clemrue / Mai 3 2014 7:03 am

      Hallo Anja,
      ich finde es gut, dass du die Möglichkeit hast, beide Gerätetypen auszuprobieren. Das mache ich auch und sehe mal hier, mal dort Vorteile. Wichtig ist, dass man sich nicht auf die Grabenkämpfe der „Glaubenskrieger“ einlässt, sondern sich seine eigene Meinung bildet.
      Was die Bedienung mit Sehrest anbelangt sehe ich jetzt auch einen eindeutigen Vorteil bei Andriod. Ich hoffe nur, dass sich Google nicht bemüßigt fühlt, dem Apple-Design zu folgen. Das wäre wirklich fatal. Das flache Design gehört weltweit geächtet!
      Clemens

      • Diva / Mai 3 2014 7:46 am

        Glaubenskriege sind unnötig , jeder so wie er am besten klar kommt . L.g. Anja
        P.s Mein anderer Blog , indem ich das Video von dir geklaut habe : blindundblind.wordpress.com

Trackbacks

  1. Nachschlag zur Deutschlandfunk-Sendung "Draht in eine dunkle" Welt | schoeppi.net

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