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04/04/2014 / Clemens Rüttenauer

Windows – Aufnehmen „was du hörst“

Neu: Eine Sondkarte bzw. Soundbox, die alle Probleme vergessen lässt, ist gefunden – und eine weitere vielversprechende Softwarelösung!!!

Wenn du zu den Glücklichen gehörst, die mit Audio-Aufnahmen unter Windows ab Version 7 keine Probleme haben, dann kannst du diesen Beitrag getrost überspringen. Wenn nicht, solltest du weiterlesen, denn ich habe ein paar Lösungsvorschläge.
Seit eh und je kann man – nein konnte man – mit einem Windows PC problemlos alles aufnehmen, was bei der Soundkarte herauskam – also aufnehmen „was du hörst“. Ab Windows 7 – womöglich schon ab Vista – kann von „problemlos“ keine Rede mehr sein. Nur teilweise wird das Problem dadurch abgemildert, dass es Anwendungen gibt, die bereits eine Aufnahmefunktion beinhalten – vornehmlich bei Internet Radio Anwendungen. Ein universelles Internet Radio mit Aufnahmemöglichkeit ist am Ende des Artikels kurz vorgestellt. Diese Art von Aufnahme entspricht einem Download des Streams vor der Soundkarte. Damit können aber nicht alle Aufnahmewünsche erfüllt werden. Im Folgenden geht es darum, den Sound nach der Soundkarte abzugreifen – gänzlich unabhängig von der Audioquelle.


Was ist passiert – was ist das Problem?
Einen Beweis gibt es nicht, aber die betroffene, schreibende Internet Gemeinde ist sich einig: Die RIAA – eine Art US-amerikanische GEMA, nur viel mächtiger – hat Microsoft und die Hersteller von PC’s und Soundkarten gedrängt, die Aufnahmemöglichkeit am PC einzuschränken. Die Willigen haben diesem Drängen brav nachgegeben. Das notwendige, virtuelle Aufnahmegerät „Stereomix“ ist in den Sound Einstellungen nicht mehr zu finden. Wobei sich die heutige Situation sehr unterschiedlich darstellt. Es gibt folgende Varianten:

  1. Stereomix ist verfügbar, als Standard zu setzen und das Aufnehmen klappt wie bisher.
  2. Stereomix ist deaktiviert und versteckt, aber aktivierbar
  3. Microsoft hat statt des Originaltreibers einen eigenen, kastrierten Treiber ohne Stereomix installiert.
  4. Es ist zwar ein Treiber des Soundkarten-Herstellers installiert, aber er enthält kein Stereomix.
  5. Schon in der Hardware der Soundkarte fehlt die Schaltung des Stereomix.

Ivan Bischof, der Betreiber der Seite http://www.no23.de, beschreibt die Situation in seinem Beitrag im Mpex-Forum sehr sachlich und kenntnisreich. NO23 ist ein beliebtes und bewährtes Recording-Tool. Hier sein Beitrag:

StereoMix, What you hear und Konsorten…

Georg Binder von WindowsBlog.at – ebenfalls kein Computeranfänger – schreibt sich hier seinen Frust von der Seele:

Troubleshooting: Computer-Audio aufnehmen

Seine verzweifelte letzte High-Tech Lösung ist ein Kabel Klinkenstecker an Klinkenstecker. Bei dem einen Notebook raus, bei dem andern rein. Aber nicht einmal das war der ganz große Erfolg – irgend ein Teil (oder war es die RIAA?) hatte was dagegen und verursachte ein Brummen.

Was kann man machen?
Zu allererst die Sound Einstellungen öffnen – entweder über Systemsteuerung > Sound oder mit der rechten Maustaste auf Lautsprecher > Aufnahmegerät. Es erscheint das Fenster „Sound“, hier die Registerkarte Aufnahme öffnen.


Fall 1
Bist du ein echter Glückspilz, dann findest du hier unter den sogenannten Aufnahmegeräten nicht nur das Mikrofon und den Soundkarteneingang Line-In sondern auch den Stereomix. Stereomix auswählen, als Standard festlegen und OK – das ist Alles!


Fall 2
Mit der rechten Maustaste ins Fenster klicken und Haken setzen bei „deaktivierte Geräte anzeigen“. Erscheint jetzt Stereomix, dann weiter wie bei Fall 1. Das kann, muss aber nicht zum Erfolg führen. Bei manchen Installationen gibt es „deaktivierte Geräte anzeigen“ auch als Button.


Fall 3
Originaltreiber im Internet suchen und runterladen. Den Windows-Treiber deaktivieren (Gerätemanager), aber nicht deinstallieren! Dann Neustart und Originaltreiber installieren, und zwar ohne (!) Kompatibitätsmodus. Mit etwas Glück hast du nun den Stereomix. Das muss aber nicht unbedingt der Fall sein, denn es kann sich auch hier um die Fälle 4 oder 5 handeln.
Bei mir hat es mit dem Originaltreiber bei zwei Installationen geklappt. Bei der dritten nicht, da war der Originaltreiber schon installiert – aber ohne Stereomix.

Fall 4 und 5

Hier kommt man mit der eingebauten Soundkarte nicht weiiter, es müssen andere Lösungen her.


a) virtuelle Soundkarte
Software-Lösung mit „Virtual Audio Cable“ – einer virtuellen Soundkarte. Bei Audiogenie.net gibt es eine begeisterte Schilderung der großartigen Möglichkeiten von Virtual Audio Cable. Siehe hier:
http://www.audiogenie.net/virtual-audio-cable-audio-stream-aufnehmen/
Tatsache ist, es funktioniert. Ich habe es ausprobiert. Es war mir aber zu umständlich. Diese professionelle Lösung lohnt sich nur, wenn man wirklich alle Funktionen nutzen will.


b) Eine Softwarelösung – Recorder

Beispielsweise mit dem Apowersoft Free Audio Recorder. Die Bedienung ist denkbar einfach. Hier die Beschreibung auf der Webseite des Hersteller:
http://www.apowersoft.de/wie-man-computersound-aufnimmt.html
Apowersoft propagiert hier http://www.apowersoft.de/online-audio-recorder den Recorder als Online-Version. Das ist mir unsympathisch, aber es gibt auch eine Desktop-Variante zum Runterladen. Für den Dauerbetrieb muss man allerdings eine Lizenz erwerben und jährlich erneuern. 

Ein weiteres Beispiel einer Softwarelösung ist der Max Recorder. Auch der Max Recorder ist kostenpflichtig, von einer jährlichen Erneuerung habe ich aber nichts entdeckt.

Recordify 2016 scheint mir die bisher vielversprechendste Softwarelösung zu sein. Mit der expliziten Zielrichtung auf Streamingdienste trifft der Hersteller genau ins Schwarze. Aufgenommen wird aber durchaus alles, was aus der Soundkarte rauskommt, nicht nur Spotify und Co.Für die reine Aufnahmefunktion dürfte die kostenlose Basisversion völlig ausreichen. Zum Thema Legalität heißt es auf der Webseite des Herstellers:
„Wie beim Besitzer eines Kassettenrekorders, so bezahlt auch der PC-Anwender automatisch eine pauschale Urheberabgabe, die bereits auf die Hardware-Kosten aufgeschlagen ist, um diese Art der Aufnahme zu legalisieren und für die Musiker finanziell nutzbar zu machen.“

c) Neue Soundkarte
Kann, muss aber nicht helfen – nämlich dann nicht, wenn der Hersteller zu den Willigen gehört. Womöglich ist die Chance bei der billigsten Karte am größten, weil sich ein Billig-Hersteller nicht um eine Microsoft-Zertifizierung bemüht. Technisch ist der Einbau einer neuen Soundkarte am PC kein Problem; bei einem Notebook kommt dagegen nur eine externe Soundkarte in Frage. Es gibt auch welche, die in den PCMCIA-Schacht passen, sofern das Notebook einen solchen hat.

Einem aufmerksamen Leser ist zu danken, dass ich eine externe Soundbox vorstellen kann, die mit unserm Problem mühelos fertig wird:

Die Logilink 7.1 Channel USB Sound Box

Die Box kommt mit einer Treiber CD, die Treiber für alle Windows Generationen von Windows XP bis Windows 10 enthält! Außerdem  können sämtliche Treiber auf der Webseite  heruntergeladen werden. Das alles macht einen sehr guten Eindruck. Die Installation ist einfach: bisherige Soundkarte im Gerätemanager deaktivieren > Treiber von der CD installieren > bei Aufforderung Box anschließen > Neustart – und schon kommt der Sound aus der neuen Box. Dann die Einstellungen öffnen, unter dem Reiter „Mixer“ im Abschnitt „Rec“  Stereomix auswählen. Die Aufnahme kann beginnen. Für den ersten Test habe ich dazu das altbekannte Programm MP3DirectCut verwendet. Getestet habe ich es sowohl unter Wibdows 7 als auch unter Windows 10. Betrieben an einer Stereoanlage mit Boseboxen ließ der Klang keine Wünsche offen.

Ist eine externe Box ein Nachteil?  An Notebooks geht es ohnehin nicht anders. Am PC habe ich das kleine Teil einfach innen ins Gehäuse gestellt. Jetzt habe ich also eine interne Box – prima!

d) Smartphone und Bluetooth-Dongle am PC – eine mögliche Variante

Der letzte – verzweifelte – Versuch von Georg Binder (s.o.) scheiterte an einer Brummschleife. In Zeiten von Smartphone und Bluetooth gibt es aber bessere – brummfreie – Möglichkeiten, Geräte miteinander zu verbinden: Wähle am PC „Line In“ als Aufnahmegerät, schließe an „Line In“ einen Bluetooth Audioadapter an und spiele die aufzunehmende Quelle an einem Smartphone ab, das du vorher via Bluetooth mit dem Adapter verbunden hast.

Getestet mit dem Belkin Bluetooth Music Receiver, dem Motorola Moto G und dem Aufnahmeprogramm Mp3DirectCut. Hat einwandfrei funktioniert – ganz ohne Brumm!

Schlussbemerkung
In meiner unmittelbaren Umgebung ergab eine nicht repräsentative Umfrage, dass Stereomix bei den Meisten fehlte. Es scheint fast so, als wäre das jetzt der Normalfall. Die zahlreicher werdenden Softwarelösungen zeigen jedoch immer deutlicher, dass die Kastrierung der Soundkartentreiber eine verfehlte Strategie war. Diese Strategie der Bevormundung geht nicht auf. Auf der Strecke bleiben nur die Uninformierten, Ahnungslosen.

Wenn ihr weitere Lösungsvorschläge habt, lasst das bitte Alle wissen – am besten als Kommentar zu diesem Beitrag.

Eine Alternative sind Radioprogramme, wie der dradio-Player oder Phonostar, oder universelle Streaming Player, die eine Aufnahme-Funktion beinhalten. Für den inzwischen nicht mehr gepflegten Winamp Player gibt es das Plugin Stream Ripper. Mit dem VLC Player geht es ganz ohne Plugin – wie, ist hier beschrieben. Aber das Mitschneiden von Internetradios löst nicht alle Aufnahme-Bedürfmisse.

Eine Besonderheit bieten der VLC-Player und die Radiobox: Der Audiostream wird exakt in dem Format gespeichert, in dem er gesendet wird.


Eine Sonderstellung nimmt die für Blinde und Sehbehinderte entwickelte RadioBox ein:

Hier der Download Link:

Radiobox Dowload

Die ultimative Lösung aus der Vor-Computer-Zeit
Tonaufzeichnung hatte eine lange Geschichte. Meine ersten Erfahrungen machte ich mit einem Uher Tonbandgerät. Später war es eine Stereoannlage mit Kassettendeck. Zum Aufnehmen musste man nacheinander erst die Rec-Taste und dann die Start-Taste drücken. Für eine zeitgesteuerte Aufnahme stellte das ein schier unüberwindliche Hürde dar, denn es genügte ja nicht, einfach mit eine Zeitschaltuhr den Strom einzuschalten. Gelöst habe ich diese technische Herausforderung mit Hilfe einer Brio Spielzeuglok. Wie, das könnt hier bei Youtube anschauen. Achtung: nur was für Leute mit Humor!

*

  1. Martin / Aug 9 2015 9:00 pm

    großartiger Artikel, dankeschön!

    • Clemens Rüttenauer / Aug 11 2015 1:13 pm

      HalloMartin,
      das Problem scheint nicht ab-, sondern zuzunehmen. Bei meinem neuesten PC ist zwar der Originaltreiber von Realtek installiert – aber ohen Stereomix. Da half wirklich nur noch die Software Lösung.
      Außerdem mausert sich dieser Artikel allmählich zum meistgelesenen. Daraus schließe ich, dass es immer mehr Anwender bzw. Windows-Installatioenn trifft.
      Gerade heute bekomme ich eine Werbung von Galax Software für den Max Recorder – eine weitere Software Lösung.

  2. Walter / Apr 1 2016 9:00 pm

    Hallo Clemens,
    seit Windows 10 versuche ich, für Soundbearbeitung und Midi-Aufnahmen, eine Lösung zu finden.
    Durch Zufall bin ich auf die USB-Soundkarte LogiLink UA0099 gestoßen. Die Soundkarte hat alle Treiber ab Windows XP. Hier gibt es wieder Direktsound und arbeitet wunderbar, hat S/PDIF, Line, Mic (M/S) Kopfhörer, Lautsprecher bis 7.1. Eigentlich alles drin.
    Die USB-Soundkarte kostet ca. 23 Euro.

  3. Walter / Apr 4 2016 10:36 pm

    Hallo Clemens,
    ich könnte mir denken, dass diese Information auch interessant ist.
    Ich arbeite viel mit Midi-files. Früher hatte ich eine vernünftige Soundkarte, die auch eine gute Soundwiedergabe möglich macht. Durch Zufall bin ich auf folgende Sache gestoßen:
    Die sehr gute Player-Freeware AIMP2 soll auch Midi abspielen können. Dies hatte nie funktioniert. Ich habe mich dann mal richtig damit beschäftigt und stellte fest, dass der Player dafür einen Sf2-File benötigt. Mir ist eingefallen, dass meine alte soundkarte sowas benötigte und habe einen File runter geladen (GeneralUser GS MuseScore v1.442.sf2). Siehe da, ein wirklich guter Instrumenten-Sound kommt aus den Lautsprechern.
    Du kannst es ja mal testen. Jetzt macht Midi spaß und ich kann diese für Karaoke mit dem Laptop nutzen.
    Viele Grüße

  4. Klaus Hama / Apr 28 2016 12:28 pm

    Es gibt noch weitere Lösungen:
    1. das Freeware Programm Recordify nimmt außer Spotify auch von der Soundkarte auf (ab Win Vista).
    2. Macht als Zweitbetriebssystem auf euren PC zum Aufnehmen Win XP oder Linux (bei Mint ist auch die Software dabei) drauf.
    Viele Grüße Klaus

    • Clemens Rüttenauer / Apr 28 2016 5:24 pm

      Hallo Klaus,
      die Erläuterungen auf der Homepage des Herstellers, Abelssoft und erste Besprechungen auf den bekannten Webseiten klingen tatsächlich sehr verheißungsvoll. Mit der Zielrichtung auf Streamingdienste trifft dieses Programm genau ins Schwarze. Es stellt sich immer mehr heraus, dass die Kastrierung der Soundkartentreiber eine verfehlte Strategie war, die auf Dauer nicht aufgehen wird.
      Keinen Hinweis habe ich zu dem zweiten Betriebssystem, das zusätzlich aufgespielt werden soll, gefunden. Macht das das Installationsprogramm im Zuge der Installation? Hast du die Originaldatei des Herstellers oder die Installationsdatei eines Softwarevertreibers verwendet?
      Grüße
      Clemens

  5. Berbd / Mai 24 2016 9:49 am

    Moin Moin … ein sehr guter Beitrag, solide aufgebaut und gut argumentiert. Ich habe mich für Recordify entschieden… alles ok!

  6. Christoph / Jun 14 2017 1:57 pm

    Aufnehmen, wie zu Zeiten der „Hitparade“. Habe an meinem schichten Samsung-Laptop per preiswertem Stereo-Klinke-Klinke-Kabel Kopfhörerausgang mit Mikrophoneingang verbunden und dann mit NO 23 Recorder aufgezeichnet. Man hört zwar beim Aufnehmen nichts, klappt aber einwandfrei!

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