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01/06/2012 / Clemens Rüttenauer

Randglossen

Inhalt

Meine ersten Erfahrungen mit Apple
(der missglückte Kassenraub)

Inklusion – Sprachverwirrung inklusive

Glück

Ich bin kein James Joyce

Geduld

Trotzdem

Imagine

Das Drama – ein Wohnmobil begeht Selbstmord

Blick über den Zaun

Bergsport-Aktivitäten

Ode an den Walchensee

Zettelkasten

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Meine ersten Erfahrungen mit Apple
(Der missglückte Kassenraub)

Es ist immer schade, wenn ein Geschäft mit langer Tradition aus dem Bild der Stadt verschwindet. Ich sehe noch den Werbespruch vor mir „Fescher durch Fischer“. Ein vornehmes Haus für Damen- Lederbekleidung. In bester Lage, Rosenstraße, gleich neben dem Marienplatz. Eines Tages war es weg und das Gelände wurde zur Baustelle. Keiner wusste, was da entstehen sollte. Der Blick wurde durch eine große Plane versperrt. Aber es musste ja irgendwann fertig werden. Zufällig führte mich mein Weg ausgerechnet am Eröffnungstag daran vorbei. Eine riesige Menschentraube vor dem Eingang. Die Fassade eine einzige gewaltige Glasfront. Was war das? Kein Schriftzug zu sehen. So paradox es klingen mag, aber gerade weil es so groß war, brauchte ich lange, bis ich es erkannt hatte. Es war ein Apfel – der bewusste Apfel. Ein Apple-Laden! Nein, Entschuldigung, kein Laden, ein Tempel. Einen Windows PC kauft man im Mediamarkt, einen Mac im Apple Tempel. Naja. Nichts für mich, dachte ich. Das war lange vor meinem ersten iPhone. Der Laden – Verzeihung Tempel – liegt so zentral, dass ich bei meinen Stadtgängen immer wieder daran vorbeikam. Sollte ich nicht doch mal reinschauen? So tun, als wollte ich einen Mac kaufen? Nimmt man mir das ab? Muss ich mir dazu was Besseres anziehen? Als ich wieder einmal in der Stadt war – in Normalkluft – sagte ich mir: Junge, sei mutig, geh‘ einfach mal rein! Gesagt, getan. Drinnen hohe Tische, darauf Monitore, sehr flache Notebooks (Verzeihung MacBooks, AirBooks?) und kleine handliche Teile – damals wahrscheinlich iPods. Die Menschen standen in kleinen Gruppen um die Geräte herum und diskutierten mit gedämpfter Stimme. Ein bisschen kam ich mir vor wie Hannes Wader in Ankes Bioladen. Ob man mir den Windows-Freak anmerkt? Was wollte ich eigentlich sagen, wenn mich einer anspricht? Unsicher trat ich von einem Bein auf’s andere. Da! Die Rettung! Ein freier Monitor! Es war der einzige freie, also nichts wie hin. Ich klimperte etwas auf der Tastatur herum, konnte aber auf dem Monitor nicht viel erkennen.

Da stürzte ein Bediensteter auf mich zu. „Was machen Sie da?“
„Ich wollte einmal sehen, wie sich so ein Mac bedienen lässt.“
„Aber nicht hier! Das ist die Kasse!“

12.02.2013 – CR

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Inklusion – Sprachverwirrung inklusive

Hallo in die Runde! Inklusion – seit wann wird dieser Begriff in Zusammenhang mit Behinderten verwendet? In der Fachwelt vermutlich schon länger, im öffentlichen Bewusstsein erst in neuerer Zeit. So sehr wir Betroffene die darin enthaltene Idee begrüßen, so schwer tut sich die Gesellschaft mit der Verwirklichung derselben. Fremdwörter sind bekanntlich Glücksache. Befragt man Duden online, erfährt man Folgendes: Inklusion bedeutet

  1. (Mathematik) (besonders in der Mengenlehre) die Beziehung des Enthaltenseins
  2. (Mineralogie) Einschluss von Fremdsubstanzen in Kristallen
  3. (Soziologie) das Miteinbezogensein; gleichberechtigte Teilhabe an etwas; Gegensatz Exklusion
  4. (Pädagogik) gemeinsame Erziehung behinderter und nicht behinderter Kinder in Kindergärten und [Regel]schulen

In unserm Zusammenhang sind eindeutig die Bedeutungen 3) und 4) gemeint. Böswillige, Unbelehrbare könnten sich allerdings auch auf Bedeutung 2) berufen und sich darin bestätigt fühlen, dass Behinderte Fremdkörper in kristallklarer Umgebung sind. Auch in Bayern ist die Inklusion jetzt angekommen. Der BBSB berichtet: „Der Aktionsplan der Bayerischen Staatsregierung zur Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention wurde am 12.3.2013 im Ministerrat verabschiedet. Der Freistaat Bayern ist auf dem Weg hin zu einer inklusiven Gesellschaft, wie sie die UN Behindertenrechtskonvention als Ziel formuliert.“ Hoppla, das ging jetzt aber schnell! So schnell, dass man darüber alles, was man in der Schule (Regelschule?) an Grammatikregeln gelernt hat, bedenkenlos über den Haufen geworfen hat. Schnelligkeit geht schließlich vor Grammatik – eine alte Bauernregel. Klar – so ein bedeutungsschwerer Begriff verlangt nach einem ähnlich gewichtigen Adjektiv (Eigenschaftswort). Aber dafür „inklusive“ zu nehmen, obwohl schon mit anderer Bedeutung belegt und nicht einmal ein Adjektiv, das ist eine unverzeihliche Leichtfertigkeit im Umgang mit der deutschen Sprache. Befragen wir nochmal unseren Duden: Inklusive ist ein Adverb – kein Adjektiv – und hat folgende Bedeutungen: einbezogen, eingerechnet, eingeschlossen, einschließlich, inbegriffen, mitgerechnet; (gehoben) einbegriffen Werden wir jetzt in Bayern eine mitgerechnete Gesellschaft, eine einbezogene Gesellschaft oder gar eine eingeschlossene Gesellschaft – oder was? Wie konnte das passieren? Welche Art von Schule mögen diese Sprachvergewaltiger besucht haben? Eine mit Inklusion etwa? Lernt man da nichts mehr? Ein schlimmer Verdacht! Was wäre richtig? Hier ein paar Vorschläge: inklusioniert inklusionsbewusst inklusionssensitiv inkludierend inkludient Oder entsprechend dem Sprachgebrauch in der neuen Straßenverkehrsordnung in Analogie zu den „Rollstuhl Fahrenden“ eine „Inklusion betreibende Gesellschaft“. Deutsche Spracke – schwere Spracke! In diesem Sinne, eine inklusive gute Nacht! 10.04.2013 – CR

Nachtrag: Siehe da – ich bin nicht der einzige, der über dieses „inklusive“ gestolpert ist. Der Rollstuhlfahrer (Rollstuhl Fahrende) Robert Rollinger vom Gesundheitsmagazin Spezial „Leben mit Behinderung“ des Bayerischen Rundfunks hat sich durch dieses Zauberwort gründlich täuschen lassen. Auf der Internetseite des BR Gesundheitsmagazins heißt es einleitend: „Robert Rollinger hat Urlaub gebucht und sich dann doch gewundert: Alles inklusive, hatte man ihm im Reisebüro doch versprochen! Stimmt ja auch, sagt der Reiseleiter. Alles inklusive – außer Barrierefreiheit.“ Die ganze Geschichte kann man hier anhören. 07.08.2013 – CR

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Glück

Hallo in die Runde In einem Lied von Bert Brecht heißt es „Alle rennen nach dem Glück, das Glück rennt hinterher“. Ob uns die moderne Glücksforschung – ja, so etwas gibt es – helfen kann dieses Rennen doch noch zu gewinnen oder zumindest unentschieden zu gestalten? „Wie findet der Mensch sein Glück?“ So überschreibt Spiegel Online den Bericht vom 19.02.2013 über die neuesten Erkenntnisse der Glücksforschung. Einleitend wird die Frage gestellt: „Was genau macht ein glückliches Leben aus? Ist es Geld, Liebe, Ruhm, innerer Frieden, Sex, Freundschaft, Bildung und Kultur, Gesundheit – und von allem möglichst viel?“ Natürlich geht es auch wieder um das bekannte Sprichwort, wonach Geld allein nicht glücklich macht, aber insgesamt wird das Thema wesentlich tiefschürfender abgehandelt. Menschliche und soziale Bindungen seien sehr wichtig, und dann die interessante Feststellung: „ Auch wer sich für andere einsetzt, etwa in der Nachbarschaft oder in Vereinen, ist im Durchschnitt zufriedener als ein stiller Stubenhocker.“ Aha! Damit wird die Pro-Retina-Philosophie – Hilfe zur Selbsthilfe – endlich wissenschaftlich untermauert. Wer anderen hilft, hilft sich auch selbst. Beglückend! Darf man daraus den Schluss ziehen: Helfen macht glücklich? Da ist es dann doch wieder ähnlich wie beim Geld: Helfen allein macht noch nicht glücklich, aber es erhöht die Chancen – deutlich! Euch allen ein glückliches Wochenende! Und hier der Link zu dem Artikel: Wie findet der Mensch sein Glück?

22.02.2013 – CR

Reaktion: Kann nur wiederspiegeln aus einem Buch, was ich vor kurzem gehört habe, Simplyify your Life, helfen macht wirklich Glück, auch wenn es nur die kleinen Dinge im Leben sind, es kommt immer was Gutes zurück , das beschreibt dies Buch über die Lebenspyramiden sehr genau. Geld hingegen braucht man weil es irgendwie beruhigt, da wir diese Behinderung haben und uns einige Sachen erkaufen müssen, und darum wird Geld immer ein Thema sein. Schönen Sonntag! H. K . 24.02.2013

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Ich bin kein James Joyce (Muss man dumm sein, um was zu erleben?)

Dies ist ein feuilletonistischer Beitrag. Der Umgang mit der Technik steht nicht im Vordergrund, spielt aber doch eine Schlüsselrolle.

Lieber Paul, ich bin zwar kein James Joyce, aber was ich heute zwischen 14:15 und 16:00 erlebt habe, kann ich nur versuchen, in Form eines inneren Dialogs wiederzugeben:

Auf dem Weg zur Treppe spürte ich ihren Blick im Rücken. Diese Treppen runter zum Ausgang sind ein Labyrinth. Aufzüge mag ich nicht. Frag‘ mich jedes Mal, gehe ich falsch oder gibt es wirklich keinen direkten Weg. Wollen wohl, dass man nochmals an möglichst vielen Bücherregalen und gemütlichen Sitzecken vorbeikommt. Keiner soll schnell wieder raus. Regnet ja! Merke ich immer erst, wenn ich draußen bin. Schnell runter in den Untergrund. Stachus oder HBF? Am Stachus stehe ich wieder im Regen, also HBF. Welche Rolltreppe? Diese – warum sind Rolltreppen immer kaputt? Deutsche Wertarbeit. Zum Glück bin ich gut zu Fuß, der Rest von Deutschland anscheinend weniger – sind die alle fußkrank? Geduld! Geduld – nicht gerade meine Stärke. Die Katie hat das sofort erkannt – weil mir das mit der SMS zu lange dauerte. Endlich unten auf dem Bahnsteig! Da kommt die S-Bahn! – ganz hinten einsteigen – Wegeoptimierung. Katie – zum Abschied sind wir beide aufgestanden und haben uns die Hand gegeben – merkwürdig förmlich – wie lange haben wir gequatscht? Aber kein „ich melde mich“ oder „rufen Sie mal an“. Auf Wiedersehen Katie, es hat mich sehr gefreut. Es hat mich wirklich gefreut! Wollte doch nur schnell einen Kaffee trinken, und dann kommen wir so sehr ins Reden – passiert mir nicht oft. Ich hatte mich an ihren Tisch gesetzt mit einem “Sie gestatten?”. Sie “gestattete” ausgesprochen freundlich – saß da mit einem Stoß Bücher. Plötzlich bietet sie mir eines zum Lesen an. Super Idee! Konnte es ja nicht wissen – wer weiß schon was von Kantenfiltergläsern. Manche halten’s für ‘n Modegag! Über meine roten Corning-Gläser hat sich mal eine Gruppe Schülerinnen lustig gemacht “Sie sehen ja alles durch die rosarote Brille”. Das fand ich gut – das sollte ich vielleicht zu meinem Motto machen. Erst ging es nur um Augenerkrankungen – vermute, sie hat eine Linsentrübung – dann um Gott und die Welt. Am Ende wollte sie mir aus dem Buch vorlesen – das wollte ich aber nicht – hätte ja nie erfahren, wie es weitergeht. Nie? Junge, manchmal bist du blöd! Sie kann gut vorlesen. Ob ich sie als Vorleserin für die Blinden-Hörbücherei gewinnen könnte? Oder nehmen die nur Profis? Ihre Telefonnummer habe ich – per SMS „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist“. Von Ben Gurion. Was sie sich dabei gedacht hat? Diese Art von Realisten sind dem Staat Israel inzwischen abhanden gekommen – schade! Hat kein Email und keinen PC – unpraktisch. Wo bin ich eigentlich? Das iPhone zwitschert – eine Email ist eingegangen – kann warten, bis ich zu Hause bin. Ist das schon der Hauptbahnhof? Überall diese Baustellen! Alle Bahnhöfe sehen z.Zt. gleich aus, weil es nur noch Baustellen sind. Werden die umgebaut oder nur repariert? War denn was kaputt? Wie alt ist das Zeug eigentlich – doch schon über 40 Jahre. 40 Jahre – gab‘s da ne Jubiläumsfeier? Jubiläum! – wann ist eigentlich unser 50-stes? 2014 – hat der Paul Kessel doch in seinem Rundbrief angesprochen – schon wieder mindestens 5 Wochen her – hat Eisenach und alles nochmal in Erinnerung gerufen. Ich wollte ihm für seinen Brief danken – vergessen – peinlich – kann ich das jetzt – so spät – noch nachholen? Kommt vielleicht blöd. Hier, das ist jetzt der Hauptbahnhof – also raus und die Treppen runter. Bei diesem „Gegenverkehr“ kommt man sich ja vor wie ein Geisterfahrer. An Fußgängerströme haben die vor 40 Jahren nicht gedacht – an was haben die überhaupt gedacht? Wann kommt die nächste U2? In 5 Minuten, da kann ich ja wenigstens mal schauen, von wem die Email ist – lesen kann ich‘s immer noch zu Hause. Ob Ungeduld und Neugier zusammengehören? Ich werd‘ verrückt! Das gibt es nicht! Die Mail ist von Paul Kessel! Spinn‘ ich? Träum‘ ich? Funkt dir jetzt das iPhone schon direkt in’s Hirn? Das glaubt dir kein Mensch! Aber immer wieder passiert dir sowas – unglaublich! Das muss ich dem Paul erzählen, aber wie? Innerer Dialog? Vielleicht so: Lieber Paul, ich bin zwar nicht James Joyce, bin auch nicht Leopold B .. irgendwas mit B … – erst rein in die U-Bahn – Bloom glaube ich. Katie – sie hätte ja auch Katharina sagen können – nein, Katie. Nicht einmal einen PC! So sehr ich ein Freak bin (Freak oder Nerd – was bin ich?), eines weiß ich, ich werde niemals einem Menschen überreden, sich einen Computer anzuschaffen. Wer ohne auskommt, soll ohne auskommen. Wenn sie mich fragt – OK – das wär‘ was anderes. Junge, träum‘ nicht! So eine Blamage: es war mir doch tatsächlich gelungen mein iPhone durch eine dumme Fehlbedienung mit diesen kryptischen VoiceOver-Gesten derartig zu blockieren, dass überhaupt nichts mehr ging! Es ließ sich nicht einmal mehr einschalten. Aber 300 oder mehr Seiten Handbuch studieren? Wirklich nicht!. Schließlich bin ich mit dem Teil in den Apple-Laden gedackelt – diesmal nicht, um die Kasse zu plündern (war das ein Scherz!), nein, mit einer echten Frage. Und in der Nachbarschaft gleich der Hugendubel mit dem Café ganz oben – mein Geheimtipp. Menschen in Buchläden sind anders als Menschen in Fleischerläden. Komisch – das in den Buchläden können doch nicht lauter Vegetarier sein. Also das iPhone ist schuld daran, dass heute so viel passiert ist. Das iPhone? Nein, meine Dummheit! Muss man dumm sein, um was zu erleben? Verdammt! Wo bin ich denn jetzt gelandet? Untersbergstraße! Eine zu weit – nichts wie raus! Dass Gedanken einen derartig ablenken können!? Petra fragte mich immer „was denkst du gerade“. Fand ich unfair – musste mir immer irgendwelche Ausreden einfallen lassen. Stell‘ dir vor, jemand hätte Leopold Bloom gefragt, was er an besagtem Tag gedacht hat. Das wäre ein Roman geworden – ein Jahrhundertwerk. Ich bin eben doch kein James Joyce – zum Glück! Februar2013 – CR

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Geduld
oder
Leben ängstliche Menschen eigentlich sicherer?

Professor R., dessen Tochter mein ältester Bruder später heiraten sollte – oder waren sie da schon verheiratet? – jedenfalls sind sie es noch heute, im Gegensatz zu mir – also der Professor schenkte mir zum Abitur ein Buch. Ich muss ziemlich verständnislos dreingeblickt haben, versuchte dann aber schnell, mich artig zu bedanken. Der Titel? Irgendetwas über „Geduld“. Was sollte das? Er meinte, ich sollte mir das zu Gemüte führen. Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Bin ich ungeduldig? Darüber hatte ich mir noch nie Gedanken gemacht. Bin ich gar so ungeduldig, dass es der Professor für notwendig hält, mir ein lehrreiches Buch als Lebenshilfe nahe zu legen? Eines hat er jedenfalls erreicht, der Vorfall ist mir unvergessen geblieben. Im Laufe meines nicht mehr ganz jungen Lebens wurde ich inzwischen öfters auf dieses Thema angesprochen. Es muss etwas dran sein. Manchmal merke ich es selbst – beim Umgang mit meinen Mitmenschen – meistens viel zu spät. Damit habe ich wohl schon Manchen verprellt. Es heißt ja, Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung – wirklich? Kann ich meine Ungeduld überwinden? Wo ist dieses Buch? Gelegentlich versuche ich ganz bewusst, mich zusammenzureißen – Erfolg? – zweifelhaft. Oft sage ich schon prophylaktisch, falls ich ungeduldig wirken sollte, wäre das nicht so gemeint (wollte immer schon Politiker werden). Aber dieses „Drängende“ ist auch da, wenn gar keine Menschen da sind – es sind die Situationen. Warten – anstehen – Stau (früher mit dem Auto) – Ampeln, die ewig nicht grün werden – Aufzüge, die einfach nicht kommen wollen. Situationen, in denen ich unruhig und kribbelig werde – wie kann ich entkommen? – gibt es einen Ausweg? Eigentlich hatte ich es mir so fest vorgenommen: Straßen nur noch im Ampelbereich zu überqueren und brav das Grün abzuwarten. Aber wenn es pressiert … .letztes Jahr drei Mal – drei Mal gerade noch! Ich hatte es gesehen, das Auto, aber nicht, dass es so schnell kam. Es kam zu schnell. Ich machte noch einen Riesensatz nach hinten, und es schleuderte mit quietschenden Reifen an mir vorbei. Ich war mir sicher – die Ampel ist grün. War sie aber nicht. Ich hatte mich nicht einmal umgesehen – so sicher war ich mir. Aber gehört hab‘ ich’s und plötzlich auch gesehen – und dann bin ich nur noch gerannt. Den Motorradfahrer hatte ich wirklich nicht gesehen. Er hatte sich in meinem Zentralskotom versteckt und schoss urplötzlich daraus hervor. Mensch war das knapp! Wie oft darf man seinen Schutzengel strapazieren? Das vierte „Erlebnis“ war eher komisch. Die Trambahngleise in der TeLa sollten erneuert werden – eine riesige Baustelle. Irgendwie musste ich auf die andere Straßenseite und schlängelte mich durch die Absperrung. Verdammt – was ist das? Unvermittelt stehe ich mit beiden Beinen bis über den Schuhrand in flüssigem Beton! – unangenehm, aber wenigstens nicht lebensgefährlich. Aber diese Paarung aus Ungeduld und Risikobereitschaft könnte doch noch mal richtig gefährlich werden. Leben ängstliche Menschen eigentlich sicherer? Egal, Angst will ich mir nicht eintauschen – da kommen nur neue Probleme. Ruhe und Gelassenheit – das wär’s! Dieses Gedulds-Buch hat viele Umzüge mitgemacht, aber irgendwann ist es auf der Strecke geblieben. Es ist nicht mehr zu finden. Der Professor hatte gemeint, ich sollte es mir zu Gemüte führen. Gelesen hab‘ ich’s nie. Der Günter hat mir kein Buch geschenkt – das Abitur liegt ja auch schon Jahrzehnte zurück – er stellte nur ganz trocken fest: „Wenn du schlecht siehst, darf es dir nicht mehr pressieren“. Ganz einfach – auch ohne Buch!

Januar 2013 – CR
T. R. commented on Randglossen-Geduld
Wusstest du, dass Ungeduld anscheinend zu den beliebtesten Schwächen gehöhrt? Ich habe mal gelesen, dass ein Personaler in einer Anleitung für Bewerbungsgespräche geschrieben hat, dass Ungeduld als Schwäche eigentlich positiv ist – wer immer schön geduldig auf alles wartet kommt ja zu nichts! In den kommenden Jahren waren plötzlich alle Bewerber ungeduldig! Ob es dabei allerdings um rote Ampel ging, weiß ich jetzt nicht (man ist im Schnitt übrigens ca. 2 Sekunden schneller, wenn man bei rot geht). ———
Ungeduld als Triebfeder? – Interessant! – CR

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Trotzdem

Bekannte loben gelegentlich,

dass ich trotz meiner Sehbehinderung

dieses oder jenes kann

und gut gelaunt und witzig bin.

Ein gut gemeintes Kompliment.

Aber ihr wisst ja:

Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut.

Irgendetwas stört mich da.

Als wäre DAS die dominierende, die bestimmende Eigenschaft.

Ich bin keineswegs immer gut gelaunt,

auch nicht immer witzig.

Aber wenn ich es bin,

dann bin ich es nicht trotz DEM.

Dann bin ich es, weil ich eben so bin wie ich bin!

Wir lassen uns doch nicht über unsere Behinderung definieren!

Wir sind mehr!

Für eine einfache Schublade viel zu sperrig!

Wir sind wir. Wir bleiben wir. Trotzdem! (aha)

Zu konfus?

Schon senil?

Unmöglich! hab‘ doch die jugendliche Form

einer Netzhaut-Degeneration.

Witzig!

Dezember 2012 – CR

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Imagine

So singt  John Lennon:

Imagine there’s no heaven – – – And the world will be as one

Und das ist mein Versuch, es ins Deutsche zu übertragen:

Stell dir vor, da ist kein Himmel
versuch es einfach mal
keine Hölle unter uns und über uns nur Sterne
stell dir vor, all die Leute
leben nur für’s Hier und Heute

Stell dir vor, ’s gibt keine Staaten
das ist garnicht schwer
kein Grund für Hass und Kriege
auch keine Religionen mehr
stell dir vor, all die Leute
leben einzig für den Frieden

Sag‘ nur, ich bin ein Träumer
aber ich bin nicht allein
auch du wirst bald zu uns gehörn
und die Welt wird einig sein

Stell dir vor, ’s gibt kein Eigentum
ich frag‘ mich, ob du’s kannst
kein Grund für Neid und Gier
eine einzige Verbrüderung
stell dir vor, all die Leute
teilen sich die ganze Welt

Sag‘ nur, ich bin ein Träumer
aber ich bin nicht allein
auch du wirst bald zu uns gehörn
und die Welt wird einig sein

2010 – CR
Sei du der Erste, der es auf deutsch singt!

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Das Drama

Ein Wohnmobil begeht Selbstmord

Als begeisterter Windsurfer hatte ich natürlich einen Wohnmobil – immer startklar. Das erste in den 1980-ger Jahren hatte ich selbst ausgebaut. Das zweite – 1993 – war ein Komplettausbau. Trotzdem hatte ich viele zusätzliche Bastelstunden investiert, um es unseren Bedürfnissen optimal anzupassen. Nach 10 schönen Jahren schien dann die Zeit gekommen, einen Schlussstrich unter die Ära „Wohnmobil“ zu ziehen. Ich wollte es verkaufen. Die Trennung fiel mir schwer, doch meinem Wohnmobil fiel sie noch viel schwerer. Es zerbrach daran. Mehr erfahrt ihr hier.

CR – 2003

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Blick über den Zaun

docu0078

Pascal und Tobias auf Entdeckungstour

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Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832) Wer nicht neugierig ist, erfährt nichts.

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Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916) Wenn die Neugier sich auf ernsthafte Dinge richtet, dann nennt man sie Wissensdrang.

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Horst Herrmann (1940 – ) Würden mehr Kinder und Jugendliche zum Lesen, Wissen, Neugierigbleiben angeleitet, statt reihum abgetauft und abkonfirmiert zu werden, brauchte sich das Land weniger um sie zu sorgen.

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Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832) Lockte die Neugier nicht den Menschen mit heftigen Reizen, sagt, erführ er wohl je, wie schön sich die weltlichen Dinge gegeneinander verhalten?

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Clemens Rüttenauer Jungs – bleibt neugierig!

12.08.1013 – CR

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Bergsport-Aktivitäten

Uneingeweihten mag es ziemlich unverständlich vorkommen, aber auf einem Bergpfad fühle ich mich sicherer als beim Überqueren einer Autostraße. Um nicht ganz aus der Übung zu kommen, gehe ich regelmäßig mit der Bergsportgruppe des TSV München-Ost in die Berge. Für deren Webseite http://bergsportler.wordpress.com/ fungiere ich als Webmaster.

Wegweiser

Der Wegweiser

Wenn Not am Mann/Frau ist oder mich die Muse küsst, schreibe ich auch den Tourenbericht – Beispiele:

Oktober 2016: Hochlandhütte

Mai 2016: Kleine Hohenwaldeckrunde

Januar 2016: Bockerlbahnweg (Spitzing)

Silvester 2015: Über die Huberspitz zur Gindelalm

September 2015: Die Torscharte – ein Wolpertinger Schabernack

Juli 2015: Hoher Fricken

Juni 2015: Jägerkamp

Mai 2015:  Neues von den Wolpertingern am Wallberg

April 2015: Mitteralm

März 2015: Schnehschuhwanderung

November 2014: Tegernseer Höhenweg

Oktober 2014: Bodenschneid

September 2014: Brünnsteinhaus

Juni 2014: Acht Frauen und ein Mann blicken durch das Birkensteiner Fenster

Mai 2014: Seebergkopf

November 2013: Hinterbrühler See

Juli 2013: Brecherspitze

November 20012: Blomberg

September 2011: Falkenhütte

November 2010: Neureuth / Gindelalm

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Ode an den Walchensee

Walchensee! Windsurfen! Weg vom sicheren Ufer, raus aufs Wasser, auf in dem Kampf! Nein, nicht in den Kampf – in das Spiel mit den Elementen!

Bleibt es beim Spiel, wirst du eins mit den Elementen.

Wasser, Surfbrett, Sonne, Wind, Wellen, Segel, Böen, Schwerkraft, Fliehkraft, Geschwindigkeit, Leichtigkeit.

Wird es ein Kampf, bleibst du ein Fremdkörper.

Der Wind – mal sanft, mal Hammerböen. Die Wellen – mal freundlich glitzernd, mal bedrohlich dunkel.

Und dann – am späten Nachmittag, wenn alles passt, der Surfgott es gut mit mir meint – meine Traumfahrt!

Von oberhalb der Insel Sassau in Richtung Einsiedel – raumschots. (Raumschot ist Traumschot)

Meinen Startplatz habe ich erreicht. Die Sonne steht tief. Der See ein einziges Glitzer-Meer. Ein kurzes Stoßgebet an den Surfgott. Tatsächlich, der Wind legt zu, wird deutlich stärker. Langsam hebt sich der Bug aus dem Wasser, das Brett nimmt Fahrt auf, die Füße finden in die Schlaufen. Jetzt geht’s ab! Schräg die langgezogenen Wellen hinunter – übers Wasser gleiten, fast schwerelos, schneller, immer schneller – der Sonne entgegen.

© 2014 – Clemens Rüttenauer

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Zettelkasten

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Versuche nicht weniger … als das Unmögliche.

Faraj Bayrakdar

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Schönheit vergeht, Arsch besteht. (Christa Wolf, Kindheitsmuster)

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NSA:  Daten sammeln – das verstehen sie, aber verstehen tun sie gar nichts!

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Blinde gehen am Stock.

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Cogito – ergo sum. Wer Blogist ist, ist!

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Was bin ich? Bin ich noch Blogist oder als Erzeuger von User-Generated-Content im Internet schon Prosument? Der Prosument, den niemand kennt.

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Wie schrieb schon der gute alte Einstein: „Wenn eine Idee nicht zunächt als absurd erscheint, dann taugt sie nichts“.

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Wenn du stolperst, mach es zum Teil deines Tanzes. (englisches Sprichwort)

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Sehen schützt vor Blindheit nicht.

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Einen Film das erste Mal zu sehen ist das eine, denselben Film das erste Mal zum zweiten Mal zu sehen, etwas ganz anderes. Du kannst Neues entdecken, aber auch enttäuscht sein.

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Man muss auch einmal auf ein Opfer verzichten können.

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Versuch‘ mal, mit einem Mikroskop eine Zeitung zu lesen!

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Es ist nicht alles Gold, was glänzt wie ein Touchscreen.

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Stoßgebet eine Windsurders:

Ich bin klein, mein Segel groß.
Lieber Gott, was mach ich bloß?

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Es sind immer diejenigen Gelegenheiten die besten, die man nicht wahrnimmt. Ganz falsch wäre es aber, diese Gelegenheiten nachträglich als verpasste Chancen zu betrachten und ihnen nachzutrauern. Eine Gelegenheit hat schon als solche ihren Wert und sie gewinnt noch zusätzlich dadurch, dass sie sich nicht an der harten Wirklichkeit messen lassen musste. So bleibt eine gute Gelegenheit für immer eine gute Gelegenheit.

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Heute ist es schlecht, aber morgen, morgen rette ich die Welt, bestimmt!

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Helfen macht schön, Intrigen machen hässlich.

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Suggestivfragen funktionieren nicht deshalb, weil Menschen sie verwenden, sondern deshalb, weil Menschen darauf reinfallen. Suggestivfragen sind deshalb so erfolgreich, weil es immer Menschen gibt, die darauf reinfallen und dabei nicht einmal merken, dass sie in die Falle getappt sind.

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Worte müssen sein wie Keulenschläge, Gedanken klar wie Wasser.

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Worte können wuchtig sein und hart wie Keulenschläge. Gedanken müssen richtig sein und klar wie reines Wasser.

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Psychologie schützt nicht vor Psychopathie.

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Der gefährlichste Feind ist der, der vorgibt, dein Freund zu sein.

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Hilft Psychoanalyse?. Ja, dem Psychoanalytiker! Nein, nicht wegen des Geldes, sondern weil er mit jedem neuen Patienten neue Erfahrungen macht und neue Einblicke in das Leben gewinnt.

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Nicht nur, wer zu heißen Tee trinkt, auch wer den Mund zu weit aufmacht, kann sich die Zunge verbrennen.

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Sprichwort: Wer sein Herz dem Ehrgeiz öffnet, verschließt es der Ruhe.

Sprichwort: Wo der Ehrgeiz endet, fängt das Glück an.

Jean-Paul Belmondo: Der Ehrgeiz ist der größte Feind des Glücks, denn er macht blind.

Paul Ernst (07.03.1866 – 13.05.1933): Ein jeder Mensch hat die Geltung, die er sich durch seine Arbeit erwirbt. Er ist für andere gerade soviel wert, wie die andern ihn brauchen.

Kurt Biedenkopf (28.01.1930 – ): Intrigen sind das Nebengeräusch der Politik.

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Ein Schweißfuß macht noch keinen Sommer.

Ein Schweißfuß kommt selten allein.

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Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum!

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Armenisches Sprichwort: Wenn für eine Krankheit mehrere Heilmethoden existieren, dann ist diese Krankheit unheilbar.

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Armenisches Sprichwort: Fünf Minuten Hilfe sind besser als fünf Stunden Mitleid.

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Armenisches Sprichwort: Zu heiraten, weil man liebt, ist genau so eine Dummheit wie sich scheiden zu lassen, weil man nicht mehr liebt.

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