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06/11/2016 / Clemens Rüttenauer

Lochbrille – Party-Gag oder Hilfsmittel?

Die Funktion der Lochbrille beruht auf der Wirkung der optischen „Blende“.

Die Blende in der Fotografie

Wer heute mit dem Handy fotografiert – oder sollte ich besser sagen „Bilder knipst“ – muss sich nicht mehr darum kümmern. Wer noch die ganze Entwicklung der Fotografie mitgemacht hat von der Rollfilmkamera über die Kleinbildkamera hin zu den ersten Digitalkameras, der kann ein Lied davon singen. 

Davon, wie schwierig es war, die richtige Balance zwischen Tiefenschärfe und Belichtungszeit zu finden.

Die Tiefenschärfe oder Schärfentiefe wurde über die Blendenöffnung geregelt. Je kleiner die Blendenöffnung, desto größer die Tiefenschärfe – aber desto geringer der Lichtdurchlass. Was für den knipsenden Laien eine Qual war, setzten (und setzen) die echten Fotografen als gestalterisches Mittel ein.

Wie funktioniert die Blende?

Stellt ihr diese Frage eurer bevorzugten Suchmaschine, bekommt ihr viele Antworten – z.B. bei Wikipedia und besonders bei Anleitungen für Hobbyfotografen. Eine kurze, überzeugende Darstellung fand ich hier bei diesem Video von Stephan Mueller. Er schafft nebenbei die Kurve von der Physik zum menschlichen Auge. Er erläutert, dass das Blinzeln nichts anderes ist, als das Erzeugen einer Blende, um den Schärfebereich zu vergrößern. Damit sind wir bei der Lochbrille. 

Die Lochbrille

Die „Gläser“ der Lochbrille bestehen aus einer undurchsichtigen Plastikscheibe mit unzähligen winzigen Löchern.

Die Lochbrille

Jedes dieser Löcher wirkt als Blende. Funktionieren würde das auch mit einem einzigen Loch. Nur hätte man damit die größte Mühe, das gewünschte Objekt zu finden und den Überblick zu behalten. Zugegeben, die Welt durch ein Rastergitter zu betrachten, ist nicht der ganz große Gewinn, aber die Blenden tun tatsächlich ihre Wirkung. Statt durch eine Linse wird eine Fehlsichtigkeit durch die Erhöhung der Tiefenschärfe ausgeglichen – für nah und fern, für Kurz-und Weitsichtigkeit und für Astigmatismus. Angeblich bis zu +/- 6 Dioptrien.

Wann einsetzen?

Bei Pearl.de heißt es dazu: „Ein wahrer Segen für alle Träger von Brillen oder Kontaktlinsen. Gönnen Sie Ihren Augen zwischendurch eine wohltuende Abwechslung, z.B. beim Fernsehen, Lesen oder am PC.“

Fest steht: wenn man viel Licht braucht, ist sie völlig fehl am Platz. Mir, der ich sehr lichtscheu bin, hilft sie beispielsweise an fremden PC`s, die immer zu hell eingestellt sind und zu kleine Schriften aufweisen. Mit der Lochbrille kann ich zwecks Vergrößerung ganz dicht rangehen und sehe immer noch scharf.

Bei einem Zusammentreffen von Jung und Alt, wenn sowohl das kurzsichtige Schulkind als auch die alterssichtigen Großeltern mit ein und derselben Brille lesen können, ist das Staunen jedenfalls groß und die allgemeine Erheiterung garantiert.

Wo bekommt man eine Lochbrille?

Optiker dürften an einer universellen Brille, gleichermaßen geeignet für Jung und Alt, kein großes Interesse haben. Aber bei Pearl.de bekommt man sie für kleines Geld.

Medizinische Indikation oder Spielwiese für Chirurgen?

Operationsfreudige Augenchirurgen haben die Blende auch entdeckt. Sie implantieren eine Blende direkt in das Auge. Hier ist ein Bericht  über klinische Erfahrungen der Univ.-Augenklinik Salzburg mit einem solchen Implantat zur Behandlung der Presbyopie (Alterssichtigkeit). Ob das wirklich dem Patienten hilft, macht dieser Bericht nicht recht deutlich. Für mich hört da der Spaß auf.

Fazit

Die Lochbrille ist etwas für Experimentierfreudige und Neugierige. Der finanzielle Einsatz ist gering. Hat man genug von dem Experiment, kann man die Brille beim nächsten Schrott-Wichteln einsetzen und hat dann nochmal Spaß.

  1. Sylvia Alina / Jun 20 2017 11:31 am

    So eine hab ich auch… hilft tatsächlich einwenig schärfer zu sehen, nachdem man sie zwischendurch mehrmals benutzt hat…

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