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09/08/2013 / Clemens Rüttenauer

Monitore – Größe ist nicht alles

Je schlechter man sieht, desto mehr kommt es auf die Größe des betrachteten Objekts an. Ein Gegenstand erscheint im Auge umso größer je weiter der Winkel ist, in dem der Gegenstand vom Betrachter aus gesehen wird. Der Winkel wird umso größer, je mehr man sich dem Gegenstand nähert. Also ganz klar, wenn sich der Gegenstand nicht vergrößern lässt, muss man näher ran gehen, um mehr zu erkennen. Sehschwache sitzen deshalb in der Regel viel näher vor dem Monitor als Normalsichtige. Der Kurzsichtige hat hier einen Vorteil, er hat die „Nahbrille“ schon eingebaut. Normal- oder Weitsichtige helfen sich mit einer Lesebrille. Und natürlich gibt es, seit sich die TFT-Monitore durchgesetzt haben, große Monitore zu kleinem Preis. Doch mit der Bildschirmgröße stößt man irgendwann an eine Grenze, ab der es unpraktisch wird. Stell‘ dir vor, du schließt deinen PC an einen TV-Monitor mit 40 Zoll (= 1 m) an, was technisch kein Problem ist. Wenn du genau so dicht (30 bis 50 cm) davor sitzt wie vor einem 19-Zoller, wirkt zwar alles groß, aber wenn du einen Bildschirm-füllenden Text lesen willst, musst du von einer Ecke zur anderen „wandern“. Bleibst du vor der linken Ecke sitzen, ist die Schrift in der rechten Ecke zu weit weg und wird dadurch zu klein. Willst du, ohne zu „wandern“, alles im Blickfeld haben, musst du den Abstand zum Monitor vergrößern. Größerer Abstand bedeutet Verkleinerung, damit ist dann der Effekt des großen Bildschirms wieder zunichte gemacht. Die „ideale“ Größe für alle gibt es nicht, man muss etwas experimentieren. Der gewohnte Abstand zum Monitor spielt dabei eine wichtige Rolle. Einige von uns gehen bis zu 27 Zoll. Ich halte 24 für sehr gut. 27 Zoll könnten dann angezeigt sein, wenn du mit geteiltem Monitor – teils vergrößert, teils normal – arbeitest oder einen größeren Abstand bevorzugst.

Ein echtes Problem ist die Bildschirmauflösung, weil es hier eine Entwicklung gibt, die den Interessen von Sehgeschädigten zuwider läuft. Siehe dazu auch 4K (UHD) Monitore – eine Technikfalle.

Bei den heutigen TFT-Monitoren gibt es eine Tendenz zu immer höheren Auflösungen. Eine Erhöhung der Auflösung bewirkt jedoch eine Verminderung der Schriftgröße. Was zum Filmegucken gut ist, ist für das Lesen schlecht – vor allem für Sehbehinderte. Dazu kommt, dass bei TFT-Monitoren immer empfohlen wird, diese nur mit der größtmöglichen Auflösung zu betreiben, obwohl es grundsätzlich möglich wäre geringere Auflösungen zu wählen. Eine Reduzierung der Auflösung bewirkt aber entweder eine Unschärfe oder ein falsches Seitenverhältnis oder beides. Also ist davon wirklich abzuraten. Die alten Röhrenmonitore kannten dieses Problem der Unschärfe bei niedrigerer Auflösung nicht. Trotzdem wünscht sich niemand diese „Ungetüme“ zurück – allein schon wegen der Strahlung.

Vor Jahren gab es noch spezielle Büro-Monitore mit einer geringeren Auflösung. Diese Kategorie scheint verschwunden zu sein. Von Fujitsu gibt es noch einen 20-Zoller mit 1600 x 1200 Pixeln und einem Seitenverhältnis 4 : 3, der in diese Richtung geht. 24-Zoller haben heute meistens eine Auflösung von 1920 x 1080 (bzw. 1200). Nimmt man einen noch größeren Monitor z.B. einen mit 27 Zoll und derselben Auflösung, ist die Schrift natürlich größer, und zwar um so viel größer wie die Fläche des einen größer ist als die des anderen. Das sind etwa 23%. Die bevorzugte Auflösung bei 27-Zöllern liegt aber deutlich höher – bei 2560 x 1440. Das ist eine Pixelsteigerung von 33%. Die Pixelsteigerung macht den Flächengewinn mehr als wett. Das heißt, die Schriften werden bei diesem 27-Zoller kleiner dargestellt als bei dem 24-Zoller. Deshalb würde ich, wenn es denn ein 27-Zoller sein soll, den mit der geringeren Auflösung von 1920 x 1080 (1200) vorziehen. Diese Zusammenhänge sind dem Laien in der Regel nicht bekannt und werden bei der Beratung in normalen Computerläden auch keine Rolle spielen. Ich schätze, dass immer der Monitor mit der größten Auflösung empfohlen wird („damit sehen Sie am schärfsten“)

Ich selbst verwende  zur Zeit einen Asus PA248Q. Das ist ein IPS-Monitor mit einem Seitenverhältnis von 16:10 und einer Auflösung von 1920 x 1200. Das Seitenverhältnis 16:10 finde ich besser als das häufigere Format 16:9. Bei 16:10 ist die Anzahl der Zeilen größer, was bei Text von Vorteil ist.  

Ab einer gewissen Sehschwäche hilft nur noch die schiere Größe. Denn so mächtig ein 27-Zoller wirkt, entspricht die „Vergrößerung“ gegenüber einem 20-Zoller – bei gleicher Auflösung – doch nur einem Faktor von 1,35. Das ist lächerlich wenig. Man kommt also nicht umhin, auch noch an anderen Stellschrauben zu drehen. Die Stellschrauben sind:

  • Schriftgröße im Basis-System
  • Schriftgröße in der Anwendung (Word, Browser etc.)
  • Bildschirmlupe (Windows)
  • Zoomfaktor (Mac)
  • Bildschirm Vergrößerungsprogramme wie ZoomText und andere

Dreht man an all diesen Schrauben und setzt vor allem eine Vergrößerungssoftware ein, kommt man auch mit kleineren Monitoren, wie z.B. Notebook Displays, gut zurecht. Heißt das etwa, man braucht gar keinen großen Monitor? Nein, denn je größer schon die Ausgangsschrift ist, desto weniger muss man vergrößern. Vergrößerung – das wissen wir alle – geht immer auf Kosten des Ausschnitts und der Übersicht. Versuch‘ mal, mit einem Mikroskop eine Zeitung zu lesen! Trotzdem, auch wenn ein größerer Monitor komfortabler ist: letztlich ist das Vergrößerungsprogramm wichtiger als die Bildschirmgröße.

Ganz unabhängig von der Monitor Größe gilt es natürlich, die Regeln der Ergonomie einzuhalten. Dazu gehört u.a.:

  • blendfreie Oberfläche
  • Aufstellung seitlich zum Fenster
  • Keine direkte Sonneneinstrahlung
  • Höhenanpassung

Neben einer Höhenanpassung kann auch ein Schwenkarm hilfreich sein, mit dem man den Monitor fallweise näher ranziehen kann, um so die Abbildung im Auge zu vergrößern.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat für die Aufstellung von Bildschirmen ausführliche Empfehlungen herausgegeben.

Soll es ein Notebook sein, stellt sich die Frage: IPS- oder TN-Panel – was ist besser? Der Vorteil der etwas teureren IPS Displays ist die geringere Blickwinkel-Abhängigkeit. Näheres dazu hier.
Die Einstellungen wie Helligkeit und Kontrast sind oft schlecht zu bedienen – am besten vom Verkäufer zeigen lassen.

Könnte die Grafikkarte ein limitierender Faktor sein? Eigentlich nicht. Die Grafikkarten heutiger PC’s mittlerer Leistung, also aus der Kategorie sogenannter Office-PC’s, sind für jeden modernen Monitor geeignet. Nach meiner Erfahrung kann es nur dann zu Unverträglichkeiten kommen, wenn Grafikkarte und Monitor aus zu unterschiedlichen Gerätegenerationen stammen. Mit anderen Worten, man kann nicht davon ausgehen, dass man mit einen neuen 27-Zoller und einen alten Windows 98 Rechner ein befriedigendes Ergebnis erzielen kann.

© CR
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  1. Edi Goetschel / Mrz 5 2016 7:07 pm

    Was hälst Du von Retina Displays im Gegensatz zu anderen Monitoren?

    • Clemens Rüttenauer / Mrz 6 2016 6:54 pm

      Hi Edi,
      Retina Display ist ein Markenname von Apple. Das Wort Retina (= die medizinische Bezeichnung für Netzhaut des Auges) bedeutet aber nicht, dass diese Displays/Monitore speziell für Menschen mit einer Retina- Schädigung entwickelt wurden. Es sind hochwertige, hochauflösende Displays mit – leider- glatter, reflektierender Oberfläche. Hinsichtlich Bildschirmgröße und Auflösung gelten dieselben Aussagen wie für andere Displays.
      Clemens

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